Herr von Ribbeck auf Ribbeck …..

im Havelland. In der Schule mussten wir das Gedicht von Theodor Fontane lernen. Es ist rührend, wie der gütige Gutsherr Hans Georg Henning von Ribbeck (1689-1759) den Kindern im Herbst Birnen schenkt und in weiser Voraussicht sogar eine Birne mit ins Grab nimmt. Ob es wirklich so war oder ob es nur Fontanes Fantasie entsprungen ist – wer weiss!!! Er schrieb das Gedicht ja erst 1898. Wir jedenfalls wollten uns diesen berühmten Ort ansehen.

Die Kirche in Ribbeck

Den alten Birnbaum aus von Ribbecks Zeiten gibt es nicht mehr. Er ist 1911 bei einem Sturm gebrochen. Aus dem Stamm wurde ein Aschenbecher gemacht, der im Schloss im Herrenzimmer stand. Heute hat er einen Platz in der Kirche gefunden.

ribbeck_birnbaum2

In den 70er Jahren wurde ein neuer Baum gepflanzt, der aber keine Früchte trug. Nach der Wende kam eine Gruppe Berliner, die in Ribbeck ein Fest machten und abermals einen Birnbaum pflanzten, der oben auf dem Foto zu sehen ist.

Schloss Ribbeck

Das Ribbecksche Schloss, in dem sich heute Tagungsräume, ein Hotel und ein Restaurant befinden, war von 1956 bis 2004 ein Altenheim.

Der letzte von Ribbeck, der in dem Schloss lebte, wurde 1945 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Von Ribbeck fahren wir nach Ketzin und finden dort einen Traumplatz!!!

ketzin

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Bischis sagt:

    Solche SP gibt’s nicht allzu viele! Ein Glück, wenn Ihr so einen erwischt habt!!!

    P.S. Wir haben das Gedicht auch gelernt!Unser Lehrer brachte damals Birnen mit in die Schule!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s